Keine Touristen – keine Bettler

Als ich in El Coca am Rückreisetag meiner Dschungeltour auf den Bus nach Quito wartete, ist mir eines aufgefallen. In der ganzen Zeit wurde ich nicht einmal von Menschen angesprochen, die um einen Dollar bettelten.

Nur einmal kam ein Niño an und verkaufte Chichlos, also Kaugummis.

Echt schön diese Ruhe von der Aufdringlichkeit.

planloser Koordinator

Jetzt möchte ich einmal über meine Erfahrung mit dem AFS-Büro in Esmeraldas berichten. Schon viel zu lange habe ich nur meine persönlichen Erlebnisse außerhalb der AFS-Koordination in den Vordergrund gestellt. Es gibt keinen speziellen Anlaß. Ich finde es wird nur langsam Zeit bei der Häufung von fehlerhaften Arbeiten.

Anfangen möchte ich mit der allgemeinen Koordination in Esmeraldas. Frederico, so erzählte er es mir, leitet mit seiner Frau Aida seit 14 Jahren das AFS-Büro in Esmeraldas. Ein ganz schön lange Zeit sollte man meinen, um sich zu verbessern und den Volontären eine schöne und sorgen freie Zeit zu bescheren. Ich hatte aber immer das Gefühl, als ich noch bei ihnen wohnte und durch spätere Ereignisse bestärkt, dass es diesen Job nur macht, um in der restlichen Familie und in der Gemeinde sagen zu können: „Ich engagiere mich in einem sozialen Projekt“, denn überzeugt von der Arbeit bzw. der Philosophie „anderen zu helfen“ ist er nicht.

Was muss ein Koordinator alles organisieren?

Erstmal muss er Projekte und Familien für die Volontäre finden. Bei mir war es mit dem Finden einer geeigneten Familie wohl am schwierigsten. Denn welche Familie denkt schon bei einem Volontär an eine Person mit über 30 Jahren Lebenserfahrung. Ich habe dann ja doch noch eine Familie bekommen. Die wohl als Notlösung an den Haaren herbeigezogen wurde und auch nicht viel engagierter war. Was mich aber sehr viel mehr geärgert hat, ist die Tatsache, dass Camilla in einer Familie untergebracht wurde, in der die Kinder verprügelt werden. Ich kann verstehen, dass in einem solchen 3. Welt Land, wo Mädchen ohne Aufklärung schon mit 16 oder früher ihr eigenes Kind haben, die Erziehungsmethoden der Eltern übernommen werden und die jungen Eltern sich nicht besser zu helfen wissen, als auch ihre Kinder zu schlagen.

Aber muss man bei einem interkulturellen Austausch gerade so eine Familie Camilla zuteilen? Und, muss dann noch Ehefrau Aida, nach dem sich Camilla beim ersten Vorfall Hilfe suchend an Frederico wendete, mit einem vorwurfsvollen Tonfall Camilla sagen, dass sie sich nicht so anstellen sollte, schließlich ist so was hier in Ecuador normal. Ich finde es sehr unfair einer 19 jährigen so entgegen zu treten und eigentlich keine Hilfe zu sein. Klar Frederico und Aida machen alle freiwillig, wie alle anderen AFSler auf der Welt auch, aber sie haben sich für diesen Aufgabe gemeldet und sollten sie auch dementsprechend mit vollen Einsatz machen und nicht nur das Nötigste. Es ist zwar eine blöde Phrase, aber wir haben viel Geld dafür bezahlt, dass uns in solchen Situationen jemand zur Seite steht und uns hilft.

Erst nach dem 2. blutigen Gesicht der Tochter Vorfall und unter dem Druck von verschiedenen Volontären und dem AFS-Norwegen kam Camilla in eine neue Familie.

Apropos Hilfe, jedem Volontär wurde am Anfang ein sogenannter Mentor zu geteilt. Meiner war Frixon, mitte 20, wirkte sehr engagiert und leitete alle Orientationen, also die 3 Versammlungen in Santa Domingo, Tonsupa und Atacames. Die Mentoren haben die Aufgabe den Volontären zur Seite zu stehen, ihnen bei Schwierigkeiten im Projekt oder in der Familie zu helfen und in regelmäßigen Kontakt zu ihren Schützling, mindesten 2 mal im Monat, zu stehen. Frixon war aber nicht einmal bei mir in den verschiedenen Familie zuhause, hat mich nicht einmal angerufen und, außer bei den 3 Treffen in 5 Monaten, habe ich ihn nur noch einmal aufs Sybilles Geburtstag getroffen. Dort zumindest hat er mit Erfolg versucht mich in ein Gespräch zu verwickeln, wo ich mein schlechtes Spanisch trainieren konnte, aber ansonsten war mein Mentor sehr weit in den Hintergrund getreten. Auch von allen anderen Volontären habe ich gleiches erfahren. Die Mentoren waren praktisch kaum sichtbar, geschweige denn eine Hilfe bzw. Vertrauensperson bei Problemen.

Was mich aber am meisten immer geärgert hat, ist die Planlosigkeit des AFS-Büros in Esmeraldas. Alle Treffen wurden immer, aus meiner Sicht, super kurzfristig angesetzt. Es machte immer den Anschein als ob Frederico in der letzten Minute eine Hinweis bekommt er müsste doch ein Treffen organisieren. Dann hat er alle angerufen, manchmal auch nur einen von uns, den Rest (Achtung: Ironie) konnten wir schon selbst organisieren, und sagte dann zum Beispiel in 2 Stunden oder Max am nächsten Tag ist ein Treffen was verpflichtend für alle ist. Es war ihm völlig egal ob man zu diesem Zeitpunkt schon andere Pläne hatte oder vielleicht gar nicht in der Stadt ist. Man musst halt immer reaktionsbereit auf die warten. So ist zumindest mein Eindruck, wie sie sich unserem Aufenthalt hier in Ecuador vorstellen.

Prinzipiell ist die Philosophie die hinter dem CSP-Programm steckt super gut und nur zu empfehlen, doch leider schafft es AFS-Ecuador und speziell Esmeraldas es nicht dies so umzusetzen, dass alle oder zumindest ein Großteil zufrieden, mit dem Wissen das Geld gut investiert zu haben, nach Hause.

Ein gutes Beispiel ist die Global Education, also eine globale Wissenserweiterung um das Land und die Situation im Land besser zu verstehen. 7 solcher Treffen mit Spezialisten sollten wir innerhalb von 7 Wochen haben. Nach 3 Wochen fragte ich Frederico das erste Mal wann wir nun endlich damit starten und er sagte, er habe das Geld noch nicht von Quito bekommen. Eine Woche später waren wir wegen Sybilles Gesundheit in Quito und fragten da nochmals wann in Esmeraldas es nun endlich los geht und dort antwortete man uns, sie hätten Frederico schon das Geld gegeben und nächste Woche startet dann das Programm. Die Woche darauf war natürlich wiedermal nichts und als ich am Ende der 7 Wochen erneut mit Frederico gesprochen habe, sagte er mir dreist, dass die zuständige Person im Urlaub war; klar 7 Wochen lang; und das wir in den nächsten 2½ Wochen alles nachholen werden. Bis heute, ein paar Tage vor Ende unseres Aufenthaltes haben wir nie wieder was zu diesem Thema gehört. Auch gab es in Guayaquil gerade einmal 5 Treffen und die haben sich nicht mal inhaltlich gelohnt.

Warum zahlen wir also viel Geld, von denen die Familien und die Projekte nichts bekommen? Warum geben wir einen Teil unserer gewohnten Umgebung auf, wenn die uns helfenden Personen so unsozial sind?

Taxifahrer fahren Taxi

Bin heute auf dem Weg nach Hause an einem Taxi vorbei gegangen, welches einen platten Reifen hatte. Da der Taxifahrer keinen Ersatzreifen hatte, hielt er kurzer Hand das nächste, vorbeikommende Taxi an und stieg mit seinem kaputten Reifen ein, um wahrscheinlich zur nächsten Reparaturwerkstatt oder zu einem Freund, der helfen kann, zu fahren. Ich fand diese Situation irgendwie witzig.

Ähnlich was es auch gerade, da meine Gastmutter bei einem Treffen ihrer Schule, wo sie arbeitet, ist und die Kamera mitgenommen hat, die ich für den Dschungel mitnehmen möchte. Sie bestellte einfach ein Taxi, gab dem Fahrer die Kamera, der sie dann uns gab. Diese Fahrt kostete dann sage und schreibe 2 $, was bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 1 $ wiederum viel ist.

Im Westen nichts Neues

Esmeraldas liegt zwar auch im Norden, aber nach Westen kommt in Esmeraldas nur noch der Pazifik und Neues gibt es in der, meist von der Regierung vergessenen, Provinz Hauptstadt eh sehr selten. So war ich nochmals nach meinem Quitoaufenthalt bei der Einwanderungszentrale um meinen längst überfälligen Censo (Aufenthaltsgenehmigung) abzuholen.

Fast alle Reiseagenturen haben mir versichert, dass ein Zertifikat, welches ich zur Zeit habe, nicht ausreicht. Ich bräuchte schon den Orginalcenso. Auch sagten mir die AFS-Koordinatoren in Guayaquil, ohne Censo könnte ich das Land nicht verlassen. Na das sind ja gute Aussichten.

Also bin ich letzen Freitag mit Victor ein 4. Mal zur Polizei gegangen, um dieses blöde Ding zu holen. Und was soll ich sagen: „Im Westen gibt es nichts Neues“. Ich glaube alle anderen Provinzhauptstädte haben bereits die benötigten Unterlagen, zumindest weiß ich es von Quito und Guayaquil. Nur Esmeraldas wurde wieder einmal vergessen. Schön waren auch die Gesichter der Beamten, die sehr erschrocken daher schauten, als Victor ihnen erzählte, dass wir mittlerweile 4½ Monate versuchen diesen Censo abzuholen und wir immer auf den nächsten Monat vertröstet wurden, so auch dieses Mal. Ich sollte doch im Januar vorbei schauen, dann haben sie bestimmt die Unterlagen.

Ein kleines Trostpflaster gibt es doch noch. Sybille ist jetzt schon in Holland und dass bedeutet, sie konnte das Land verlassen ohne Censo. Hoffentlich musste sie keine Strafe wegen dem Fehlen des Censos bezahlen.

Stromausfall

Bald ist Weinachten und deshalb haben auch hier die Leute ihre Häuser mit Lichterketten und allerlei anderen blinkenden Zeug geschmückt und da die Ecuadorianer (Achtung Klischee) kein Maß kennen, wurden die Sachen nicht nur schon kurz nach Halloween installiert, sondern bleiben auch den ganzen Tag und Nacht in Betrieb.

Sorglosigkeit

Nochmals bezugnehmend auf den ersten Bericht über Rücksichtslosigkeit von Annika, dem folgendem Bericht von Tim und meinen, möchte ich heute ein weiteren Gedanken loswerden.

Die große Frage die ich mir bei solchen Unterschieden stelle, ist: Warum sind wir wie wir sind und die anderen ganz anders?

Ich glaube zwar nicht, dass mein Erklärungsversuchs das absolute Gelbe vom Ei ist. Aber ich glaube schon, dass das ein Funken Wahrheit drin ist.

kein Wasser

Seit 3 Tagen gibt es jeden Abend kein Wasser und jedesmal vergesse ich rechtzeitig auf die Toilette zu gehen. Es ist zwar nicht so schlimm, denn wir haben immer einen großen Behälter mit Wasser direkt zwischen WC und Dusche stehen, wo man das benötigte Naß herausschöpfen kann, aber trotzdem ist es umständlich.

Gestern war ich wiedermal, kurz vor dem „zu Bett gehen“ auf Toilette und hatte wegen zu wenig Wasser die Toilette verstopft. Dann musste ich extra meinen Gastvater bitten das Pumpsystem anzustellen. Das war ein bisschen peinlich.

Auch das Duschen gestaltet sich mit geschöpften Wasser etwas umständlich, denn man hat dabei ja immer den Duschvorhang offen, um aus dem Behälter das Wasser zu holen. Man muss dabei immer aufpassen nicht das halbe Bad unter Wasser zu setzen.

Ein Kind mehr

Am Sonntag war ich mit meiner Familie an einem Fluß ganz in der Nähe von Esmeraldas. Es war super heiß und deshalb haben wir beschlossen uns im Fluß etwas zu erfrischen.

Dabei konnte ich ein sehr nette Geschehen beobachten. Sicherlich wisst ihr jetzt schon von was ich rede, oder? Jedenfalls war es sehr lustig mit anzusehen, wie ein Pärchen  im Wasser aufeinandersitzend sich paarten. Man muss wohl dazu sagen, dass die Freundin sich in dieser Zeit dezent 5 Meter weiter weggesetzt hat. Außerdem war das Wasser gerademal knietief.

Auch kan man dieser Verhalten besser verstehen, wenn man mal in Ecuador gelebt hat, bzw. in einer Familie gelebt hat, denn hier gibt es anders als in Deutschland weder geschlossene Türen noch eine andere Art von Privatsphäre. Dadurch ist es wohl gut nachvollziehbar, dass Verliebte sich andere Alternativen suchen.

Ich hätte aber nicht gedacht, dass diese Alternative ein viel besuchter Fluß sein würde.

verschlafenes Wochenende

Letztes Wochenende wollte ich eigentlich mit Julia nach Canoa fahren, jedenfalls hatten wir es so am Freitag besprochen. Doch wie immer hier in Ecuador kamm man sich auf nichts verlassen und es kommt immer anderes als man denkt.

Irgendwie kann ich mich nicht mit dem Warten und der Spontanität anfreunden.

Wie gesagt geplant war ein Trip nach Canoa. Aber der wurde aus technischen Gründen erstmal von Samstag auf Sonntag verschoben. Da ich mit Julia abgesprochen habe, dass sie sich bei mir melden wird, habe ich den gesamten Samstag im Bett gelegen, ferngesehen und auf den Anruf gewartet. Der kam dann so gegen 4 Uhr nachmittag. Wir sind dann aber abends nach Atamaces gefahren und haben mit Camilla und Emma undein paar Freunden von Julia in einer Strandbar relativ viele Tequilas getrunken, viel geredet und ein bisschen zu spätere Stunden getanzt.

'Emma und Camila' von Enrico

Wie vorauszusehen war natürlich der geplante Abfahrszeitpunkt am Sonntag morgen nicht einzuhalten. Und auch am Sonntag wartet ich bis zum Nachmittag auf einen Anruf von Julia bis ich erfahren habe, dass wir nicht mehr nach Canoa fahren. „Aber wir könnten ja immer noch am Montag nach Mompiche fahren oder wo anderes hin.“ sagte sie dann am Telefon. Dazu muss man sagen am Montag war frei. Sonntags haben wir es aber tatsächlich geschafft nochmals nach Atacames zu fahren. Leider habe ich dort mein Handy verloren. Was ich dann abends zu hause erst gemerkt habe.

Somit konnte mich Julia am Montag nicht zu hause anrufen, da sie ja nicht wusste, dass ich kein Handy mehr hatte. Auch die anderen, die mich am Montag versuchten zu sprechen, wurden mit einer Absage durch meinen Telefonanbieter abgespeist. Also wurde am Montag auch nicht viel gemacht. Ich bin dann nur abends zum Volleyball gegangen.

Dafür das wir 3 Tage in Canoa bleiben wollte, sind dann letztendlich nur 2 mal Atacames und einmal Volleyballs spielen geworden. Ich finde es eine traurige Billanz.